Der Unterweisung. Der Weisheit. Dem Pflichtgefühl.

Unsere Schulglocke

Seit Bestehen des Vereins ist die Schulglocke, welche auf der Westseite des Haupthauses ihren angestammten Platz hat, unser sichtbares Zeichen. Die „Glocke im Turm“ ist für uns ein wichtiges Symbol für Beständigkeit und Tradition. Besonders den Quondams (Absolventen, die ihren Abschluss vor 1945 erlangt haben) war und ist die Glocke immer ein wichtiges Anliegen gewesen. So war es ihnen von enormer Bedeutung, die alte Glocke vor dem Verfall zu bewahren. Sie wieder in Funktion zu wissen, war mindestens ebenso wichtig. Und so haben sich Förderverein, Gymnasium und die Stadt Bautzen darum bemüht, die Glocke wieder in den Schulalltag zu integrieren.

Dies bot sich vor allem durch die Sanierung des Gymnasiums in den Jahren 2007 und 2008 an. Am 05. April 2007 wurde die Glocke aus ihrer Verankerung gelöst und abgenommen. Bereits damals wurde deutlich, dass eine Nutzung der Glocke nicht mehr in Frage käme. Der Glockenstuhl zeigte sich marode und auch der vor Jahren abgefallene Klöppel der Glocke war ein Problem.

Die Sanierung des Gymnasiums erwies sich dabei jedoch als Glücksfall für den Erhalt und die Erneuerung der Glocke. So wurde nicht nur für ein neues Joch aus Eichenholz, einen neuen Glockenstuhl sowie für eine neue Klöppelaufhängung gesorgt, sondern eigens für die Nutzbarkeit der Glocke ein elektrischer Antrieb installiert. Um den historischen Blick auf die Glocke waren zu können, wurde die Patina erhalten. Am 11. April 2008, also etwas über einem Jahr nach ihrer Abnahme, kehrte die Schulglocke wieder an das Gymnasium zurück. Sie wurde durch den Glocken- und Uhrentechniker Jürgen Ehrlacher an den Schulleiter Karsten Vogt übergeben und bis zu ihrer Aufhängung am 21. April 2008 in der Aula des Gymnasiums aufbewahrt. Ihren angestammten Platz erhielt unsere restaurierte Schulglocke mit Hilfe der Bautzener Feuerwehr und Jürgen Ehrlacher gegen 13 Uhr des 21. April 2008. Die Weihung der Glocke erfolgte im Rahmen eines feierlichen Festaktes anlässlich der Einweihung des sanierten und restaurierten Schulgebäudes am 25. April 2008.

Inzwischen erklingt die Schulglocke, nach fast sechzigjährigem Schweigen, regelmäßig und läutet jeden Morgen den Schulbeginn ein.

Die Bedeutung der Schulglocke hat für uns einen hohen Stellenwert, verweist sie doch auf die lange traditionsreiche Geschichte des Gymnasiums. Bereits im Jahr 1588 gab eine Schulglocke das Signal zum Beginn des Unterrichts, damals noch für die evangelische Ratsschule, aus der später dann unser Gymnasium hervorging. Wahrscheinlich wurde diese Glocke 1634, im Dreißigjährigen Krieg, bei einem Stadtbrand zerstört. Erst im Jahr 1685 wird eine neue Glocke erwähnt. Bekannt ist, dass diese Glocke in Erinnerung mit dem Bildnis von Dr. Gregorius Mättig, dem großen Wohltäter von Schule und Schülern, versehen  wurde. Während des Stadtbrandes 1686 wurde aber auch diese zerstört, sie zerschmolz und stürtzte herab. Ihr geschmolzenes Metall bildete die Grundlage für den Neuguss der Glocke durch Andreas Herold. So ist es auch auf der Glocke vermerkt: „IN DRESDEN ANNO 1686 GOSS MICH ANDREAS HEROLD“. Ebenfalls auf der Glocke vermerkt ist in lateinischer Sprache folgender Wortlaut: "Ich zersprang nicht ohne traurige Vorbedeutung am 7. Februar 1685; ich wurde erneuert in der Amtszeit des Bürgermeisters Herrn Matthäus Göbel am 19. Mai desselben Jahres; ich wurde ein Raub der Flammen samt der Schule und einem großen Teile Bautzens am 5. Juli 1686; ich wurde neu hergestellt in der Amtszeit des Bürgermeisters Herrn Andreas Sommer, unter dem Rektor Magister Johannes Rosenberg. Fürchte Gott, feurig ist sein Zorn."

Im Jahr 1687 wurde die Glocke geweiht. Ihr Preis betrug 45 Taler. Als das Gymnasium 1867 in das neue Gebäude auf der Bahnhofstraße zog, wurde die Glocke von den Gymnasiasten dorthin überführt und sollte als sichtbares Symbol der Kontinuität der humanistischen Ausbildung fortan sowohl den Unterricht als auch die Pausen einläuten. In den Hofpausen war es sogar Aufgabe der Schüler, die Schulglocke zu läuten, was damals als großes Privileg galt. So zumindest ist es uns aus den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts überliefert.

Die Glocke blieb der Stadt über beide Weltkriege hinweg erhalten. Nach 1945 verstummte sie jedoch für viele Jahrzehnte. Erst seit April 2008 ist ihr Klang wieder ein akustischer Teil unserer Stadt. Somit ist die etwa 70 Kilogramm schwere Glocke die älteste läutefähige Glocke der Stadt Bautzen. Damit sind auch die Wurzeln des Gymnasiums wieder sichtbar. Gegründet ist das Philipp-Melanchthon-Gymnasium aus der evangelischen Ratsschule. Die Glocke stellt dabei eine Verbindung zwischen humanistischen Bildungsbewusstsein und christlichen Ursprung dar. Auch dies ist in Worten der Glocke zu entnehmen: „...GOTT SCHLÄGT NIEDER UND HILFT WIDER“. Die restaurierte Schulglocke bildet insofern auch eine Brücke zwischen dem Historischen und dem Neuen. Tradition die man hört!

Test