Der Unterweisung. Der Weisheit. Dem Pflichtgefühl.

Beiträge für das Nachhilfeprojekt steigen
ab Schuljahr 2017/2018

Vorstandsvorsitzender Patrick Höhne steht Rede und Antwort, wieso Eltern ab sofort für den schulischen Nachhilfeunterricht tiefer in die Tasche greifen müssen.

"Ja, Sie zahlen jetzt zwei Euro mehr."


Seit vier Jahren bietet der Förderverein das schulinterne Nachhilfeprojekt "Schüler helfen Schülern" für Gymnasiasten der Klassenstufen 5-9 an. Idee dieses Projektes ist es, dass Schüler der Oberstufe (Klasse 9-12) ihren jüngeren Mitschülern in Problemfächern Nachhilfeunterricht geben, um so ihr Fachwissen zu festigen und schlechten Zensuren als auch einer Überforderung im Unterricht vorzubeugen.

Bislang zahlte ein Nachhilfeschüler fünf Euro für jede besuchte 60minütige Nachhilfestunde. Die Gelder werden zur finanziellen Entschädigung der nachhelfenden Schüler verwendet, die sich für jede gehaltene Unterrichtsstunde acht Euro verdienen.

Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 steigt der Nachhilfebeitrag von fünf auf sieben Euro. Diese Erhöhung hat der Vereinsvorstand in seiner Sitzung vom 16. Juni 2017 beschlossen. Vorstandsvorsitzender Patrick Höhne erklärt, wieso die am Projekt teilnehmenden Familien nun 40% mehr zahlen sollen.


Patrick, wieso werden die Eltern der teilnehmenden Schüler bald mehr zur Kasse gebeten?

Unser Verein folgt dem buchhalterischen Grundsatz des Kostendeckungsprinzips. Dies bedeutet, dass sich jedes Projekt selbst zu tragen hat, um das Vereinskapital nicht übergebührlich zu belasten. Kleine Lücken in den Projektetats gleichen wir selbstverständlich mit Vereinsmitteln aus. Nun hat sich das Szenario eingestellt, dass das Nachhilfeprojekt zum wiederholten Male in Folge mehr Ausgaben verursacht als Einnahmen erzeugt und dies im Umfang eines vierstelligen Betrages.


Das hört sich an, als hätte der Verein das Projekt falsch kalkuliert. Sind die Schüler jetzt die Leidtragenden, indem sie zwei Euro mehr für die Teilnahme am Nachhilfeunterricht zahlen, obgleich sie dafür nicht mehr Leistung erhalten?

Das Projektkonzept sieht vor, dass ein Nachhelfer drei Nachhilfeschüler betreut. Unter Einhaltung dieser Prämisse ist eine kostendeckende Projektorganisation möglich. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass auf Grund der individuellen Bedürfnisse der Nachhilfeschüler die Bildung von Zweiergruppen oder gar die Festlegung von Einzelunterricht sinnvoll und für die Effizienz des Nachhilfeunterrichtes förderlich ist. Daher hat die Projektleitung in den vergangenen Jahren immer mehr Zweiergruppen und Einzelunterricht umgesetzt.

Unsere Entscheidung, zugunsten der Projektqualität vom Konzept abzuweichen, erzeugt eine starke Dysbalance im Projekthaushalt. Bislang konnten wir es vermeiden, den dahinterstehenden Mehraufwand auf die Teilnehmer umlegen zu müssen. Nun sind wir aus monetären Gründen gezwungen, eine Qualität anzubieten, die ihren Preis hat.


Im Interview mit der Sächsischen Zeitung vom 19. Mai 2017 sagtest Du, dass der Verein mit Hilfe von Spenden in der Lage wäre, die Lücke im Projektetat zu decken. Wieso beschreitet ihr nicht weiterhin diesen Weg der Finanzierung?

Im Interview mit der SZ habe ich auch geschildert, dass wir keine Garantie für den Eingang von Spendengeldern haben, die ausreichend sind, um das hohe Defizit von etwas mehr als 1.000 Euro pro Jahr zu kompensieren. Darüber hinaus erhält unser Verein für viele Projekte zweckgebundene Spenden, die wir nicht einfach zweckfremd im Nachhilfeprojekt einbinden dürfen. Meine Vorstandskollegen und ich arbeiten unermüdlich an der Verbesserung unserer Spendenbilanz, akquirieren wo es geht und es unsere Zeit zulässt. Nur irgendwann sind wir am Boden des Fasses angelangt. Schließlich sind wir nicht der einzige Verein in Bautzen, der sich um Spenden bewirbt.


Welche Chancen erhoffst Du Dir für die Zukunft des Projektes, jetzt wo bald höhere Erträge in die Kasse fließen werden?

Ich bin da ganz nüchtern. Höhere Erträge fließen nur in unseren Haushalt, wenn die Eltern unsere Beweggründe für die Beitragserhöhung verstehen, akzeptieren und bereit sind, sieben Euro für jede besuchte 60minütige Nachhilfestunde zu zahlen.

An der Kostenschraube zu drehen, bedarf einer gründlichen Überlegung und einer guten Argumentation. Mir ist bewusst, dass kein Elternteil und Schüler über diese Anpassung erfreut sein wird. Deshalb empfinde ich es als meine Pflicht, die Hintergründe transparent darzulegen. Davon erhoffe ich mir Verständnis für die getroffene Entscheidung, die meinen Vorstandskollegen und mir nicht leicht fiel.

Einer Sache sind wir uns aber bewusst: Nur durch eine erfolgreiche Erhöhung der Beiträge kann der Förderverein die Zukunft des Nachhilfeprojektes am Melanchthon-Gymnasium, ohne die Güte der Projektarbeit zu gefährden, garantieren.


Patrick, vielen Dank für das Gespräch.